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Hoederer: Die Toten sind mir egal. Ich lebe und mache eine Politik für die Lebenden.
Hugo: Und Sie glauben, die Lebenden werden Ihren Kuhhandel hinnehmen?
Hoederer: Man wird es ihnen vorsichtig beibringen.
Hugo: Indem man sie belügt?
Hoederer: Indem man sie gelegentlich belügt.

„Die schmutzigen Hände“ ist das erfolgreichste Stück von Jean-Paul Sartre. Es entstand 1948, als der Kalte Krieg mit der Berlin-Blockade und Anfang der 50er Jahre mit dem Korea-Krieg deutlich an Schärfe zunahm. Die Politik der Sowjetunion, sich durch Marionettenregierungen die Macht in den im Zuge des Zweiten Weltkrieges annektierten und besetzten Ländern zu sichern, bestärkte den Antikommunismus als Integrationsfaktor im Westen - auch das führte zum Erfolg des Stückes. Doch geht es in dem sehr fein konstruierten Enthüllungsdrama um grundsätzliche Fragen. Anhand des individuellen Konflikts zwischen Hugo (Cris Ortega, Q12 ) und Hoederer (Yannik Armbrusits, Q11) in Bezug auf eine konkrete historische Situation wird die Frage gestellt, wie der Mensch handeln soll, was die moralischen Grundlagen seines Tuns darstellen.

Das Stück spielt in einem fiktiven  Balkanstaat namens Illyrien, aber in der konkreten Situation des Zweiten Weltkrieges. Noch ist das Land von deutschen Truppen besetzt, der Zusammenbruch aber kündigt sich an und damit auch die Frage, wie es danach in Illyrien politisch weitergehen soll. Soll sich die kommunistische Minderheit mit den Liberalen und Konservativen verbinden, um an die Macht zu gelangen - oder soll man den radikalen Weg einer Revolution gehen? Hoederer steht für den pragmatischen Ansatz, während seine Gegner ihn ausschalten wollen. Dazu wird Hugo gewählt, ein junger Intellektueller aus bürgerlichem Haus, der  durch den politischen Mord seine eigene Vergangenheit abstreifen will und dabei Prinzipien über alles zu stellen versucht.

Eben jeder idealistische Hugo soll also den Parteisekretär Hoederer ermorden, um sich vom Makel seiner bürgerlichen Herkunft reinzuwaschen. Er wird Sekretär dieses skrupellosen Parteisekretärs, der nicht davor zurückscheut, sich „die Hände schmutzig zu machen“, zögert den Mord jedoch immer weiter hinaus, je mehr er Hoederer schätzen lernt, einen Mann, der davon überzeugt ist, dass politisches Handeln und die von Hugo geforderte Reinheit der Idee einander ausschließen. Erst als Hugo seine Frau Jessica (Aura Sträter, Q11) in den Armen Hoederers findet, tötet er ihn. Nun wird Hoederer von Moskau rehabilitiert, der Mord wird von der Justiz als Eifersuchtstat hingestellt. Hugo jedoch besteht darauf, nicht im Affekt gehandelt, sondern den Mord im Auftrag der Partei begangen zu haben. Hugo muss feststellen, dass sich nicht nur die Zeiten, sondern auch die politischen Ziele geändert haben und seine mörderische Tat politisch sinnlos geworden ist. Damit ist Hugo für die Partei nicht mehr »verwendungsfähig«, er muss liquidiert werden.

In den weiteren Rollen, welche die Handlung konsequent zu eben jenem Höhepunkt führten, brillierten:

  • Nadia Ben Ali, Q11, als Olga, die gleichermaßen Kontaktperson und Parteifreundin Hugos ist.
  • Katharina Neubert, Q11, in einer Doppelrolle als Parteirevolutionär Louis und Bodyguard Slick.
  • Benedikt Marouschek, Q11, als Terrorist Iwan und Bodyguard Georges
  • Katharina Gürsching, Q11, als Prinzessin Ivanka sowie
  • Philipp Schenk, Q12, als diplomatische Kontaktperson Karsky.

Am Ende der Aufführungen bleibt der Eindruck eines dialogreichen Schauspiels in Erinnerung, das dramaturgisch sehr intelligent und in scharfsinniger Sprache die Bereiche Politik, Philosophie und Liebe ineinander wob. Der Applaus würdigte die durchgehend hervorragenden Leistungen aller jungen Schauspieler gebührend.

StD Antonie Walther

StR Christopher Söllner

 

K800 VL Theat (1)

 

K800 VL Theat (2)

 

K800 VL Theat (3)

Termine

JUL
26

26.Jul

JUL
29

29.Jul - 11.Sep

OKT
27

27.Okt - 1.Nov

DEZ
23

23.Dez - 7.Jan

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