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Frau Claudia Dantschke von der Kultur GmbH Berlin hielt am 29.06.2017 einen Vortrag zum Thema „Attraktivität und Anziehungskraft salafistischer Angebote für Jugendliche“. Der Vortrag beschäftigte sich unter anderem mit den Fragen „Warum fallen Jugendliche den radikalen Ansichten zum Opfer?“ und „Warum ist jemand, vor allem Jugendliche, bereit, sich dem Salafismus anzuschließen?“

Salafismus ist eine von vielen Möglichkeiten, den Islam zu interpretieren. Seine Anhänger leben nach der Formel „Liebe alles, was von Allah kommt, hasse alles, was nicht von ihm kommt“ und der heiligen Schrift. Sie übertragen den Inhalt ihrer heiligen Schrift nicht auf die heutige Zeit, stattdessen nehmen sie den Koran wörtlich. […] Sie selbst bezeichnen sich als Muslime, auch wenn sie hier wieder einen Unterschied zwischen „wir“ und den „anderen“ machen. In ihrer Theologie sind sie die einzig wahren Gläubigen, die Auserwählten, die ins Paradies kommen werden, während alle anderen dazu verdammt sind, in der Hölle „zu schmoren“, selbst ihre Glaubensbrüder, sollten sie in irgendeiner Weise falsch handeln.

Auch ist es falsch, von „dem“ Salafismus zu sprechen. Es ist eine sehr heterogene Bewegung, die sich in puristisch; politisch-missionarisch (Ablehnung von Gewalt); politisch-missionarisch, einschließlich der Legitimation des bewaffneten Jihad und Jihadistisch unterteilen lässt. Die Gruppen zwei bis vier werden vom Verfassungsschutz beobachtet, welche zusammen in ganz Deutschland etwa 10000 Personen betreffen. 1600 gehören dem militanten Spektrum an, davon wiederum werden ca. 650 als Gefährder eingestuft. Von diesen 650 befinden sich ca. 240 als freie Bürger im Inland, 100 in Haft, 310 im Ausland. Von den restlichen befinden sich offiziell 920 in Syrien. Von ihnen sind 150 tot (25 Selbstmordattentäter) und 300 wieder im Inland (90 mit Kampferfahrung).

Einige der Selbstmordattentäter sind Jugendliche, die sich aus ideologischen Gründen, die nichts mit Selbstbestimmung zu tun haben, dem Paradiesversprechen und dem Versprechen, endlich frei und glücklich zu sein, in die Luft sprengen. Zuvor werden die Jugendlichen angeworben. Meistens geschieht das durch andere Jugendliche, entweder auf der Straße, in der Schule, im Freundeskreis, eigentlich an allen erdenklichen Orten. Aber auch durch Erwachsene, die wie die Jugendlichen, andere Jugendliche gezielt ansprechen, sie mit Flyern und Plakaten zu Treffen und Versammlungen einladen, wird geworben.

Eine Besonderheit ist, dass Mädchen nur von anderen Mädchen oder Frauen angesprochen werden dürfen.

Ein gezieltes Ansprechen läuft immer nach demselben Prinzip ab: zuerst gibt es eine Ansprache, mit welcher die Jugendlichen verunsichert werden, danach wird ihr Selbstwertgefühl zerstört, um es anschließend nach deren Weltanschauung wieder aufzubauen. Die Jugendlichen werden durch Emotionen geködert. Zum Beispiel wird ihnen ein Gefühl von Wichtigkeit und Aufmerksamkeit vermittelt. Man hört ihnen zu, ihre Probleme und Sorgen werden ernst genommen. Es wird ihnen Wissen, Wahrheit, bestimmte Werte, Gemeinschaft und Identität, Gerechtigkeit, Protest und Abgrenzung, von zum Beispiel den Eltern oder Lehrern angeboten und vermittelt. Sobald sie sich mit den Vorstellungen des Salafismus identifiziert haben, beginnt die Angstpädagogik. Die jugendlichen Opfer  werden durch die Angst vor der Hölle und vor Bestrafung eingeschüchtert. Das soziale Milieu oder die Herkunft spielen keine Rolle, jeder kann davon betroffen sein. Meistens sind die Opfer zwischen 17 und 18 Jahren alt, da dies das Alter ist, in welchem sich die Jugendlichen von ihren Eltern lösen.

Um nicht erst in eine solche Situation zu kommen, können folgende Maßnahmen ergriffen werden. Zuallererst ist es wichtig auf verschiedenen Ebenen zu arbeiten, es gibt nicht „die eine Lösung“. Möglichkeiten wären die Jugendarbeit in Moscheen, Erziehungs- und Familienhilfe. Aber auch die Schule kann dazu beitragen. Durch Ansprechen der Problematik des Themas im Unterricht und durch Identität, Gemeinschaft und Akzeptanz in der Klasse selbst.

von Pia Saalfrank (Q11)

 

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