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„Soll´s mir Leid tun, dass ich nicht in dein Weltbild passe?“ – dieser Satz ist Anfang April an einer Tafel im ENG morgens um acht Uhr zu lesen gewesen. Und mehr noch. Alle Tafeln der Schule sind sind am vorigen Nachmittag mit Sprüchen versehen worden, die zum Nachdenken anregen sollten.

Wenn auch in vielen Klassenzimmern bereits der Tafeldienst die Botschaften kurz nach dem Öffnen der Zimmer entfernt hatte, so ergab sich hier und dort doch eine kleine Diskussion oder zumindest ein kurzes Gespräch darüber, wer beispielsweise den Satz „Du musst mich nicht mögen, aber lass mich bitte in Frieden!“ da in aller Heimlichkeit angebracht hat. Jemand aus der Nachbarklasse? Oder doch einer von denjenigen, mit denen man täglich die Schulbank drückt? Gibt es Konflikte bei uns, die eher unter den Teppich gekehrt werden, sodass sich jemand genötigt sehen könnte, ihn auf so einem Weg öffentlich zu machen?

Grund zu Spekulationen gab es also, aber - es waren die Leute von SOR, der Gruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, die sich zu Beginn des Schuljahres am Emmy gegründet hat und deren erklärtes Ziel es ist, zu verschiedenen Anlässen im Schuljahr durch kleinere Aktionen Themen in den Fokus zu rücken, die sonst im schulischen Alltag – wenn überhaupt – nur am Rande angesprochen werden können. Nachdem dieses Jahr besonders Fragen von Rassismus und Neonazismus näher beleuchtet wurden, sollen für die kommenden Schuljahre verschiedenste Themen, wie z.B. Asyl, Flucht oder Homophobie aufgearbeitet und mit möglichst kreativen Aktionen der Schulgemeinschaft vermittelt werden.

Bleibt die Frage, was es mit „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ganz grundsätzlich auf sich hat. Dieses Netzwerk umfasst weit mehr als 1000 Schulen in Deutschland, welche versuchen, eine von Offenheit und Toleranz geprägte Alltagskultur zu etablieren. Sich selbst und das Miteinander in der Gemeinschaft immer wieder kritisch zu hinterfragen, steht dabei ebenso im Fokus, wie die Beschäftigung mit ethischen und gesellschaftspolitischen Fragen.

Das Emmy hat sich in diesem Schuljahr auf den Weg gemacht, Teil dieses Netzwerks zu werden und es wird dabei von zwei Schulpaten, dem Regisseur Peter Ohlendorf und dem ehemaligen Erlanger Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg unterstützt. Mehrmals im Jahr finden in diesem Zusammenhang Veranstaltungen statt, welche die Agenda von „SOR“ vermitteln, wie z.B. bisher die Präsentation des Films „Blut muss fließen“ im vergangenen Herbst, welcher die Gefahren der Neonaziszene veranschaulichte oder die Gedenkveranstaltung in der Schulbibliothek zur Erinnerung an die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten.

Mit genug Unterstützung und zahlreichen Schülerinnen und Schülern, die der Intention von „SOR“ etwas abgewinnen können, wird die Gruppe ein fester Bestandteil des Schullebens am Emmy werden und auch in den kommenden Jahren immer wieder Anlässe liefern, uns allen die Notwendigkeit eines offenen und toleranten Zusammenlebens inner- und außerhalb der Schule zu verdeutlichen. 

StR A. Loyens

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