Als „Wagnis oder Wahnsinn“ bezeichnete Frau Schellong zu Beginn des Abends das Vorhaben des Mittelstufentheaters, die Tragödie vom Leben und Sterben des Julius Caesar von William Shakespeare aufzuführen. Begonnen hatten die Proben schon im letzten Schuljahr, wegen der großen Hitze im Juli wurden die Aufführungen aber ins neue Schuljahr verschoben. Am 29. und 30. September war es dann schließlich so weit: Eine stark gekürzte Version des Stücks, das im Jahr 1599 im Globe-Theater in London uraufgeführt wurde, konnte dem Publikum präsentiert werden.
Kaum eine römische Persönlichkeit hat die Geschichte dieses antiken Reichs entscheidender geprägt und war umstrittener als Gaius Julius Caesar. Nach seiner Unterwerfung Galliens kehrte er nach Rom zurück und ließ sich zuletzt 44 v. Chr. zum Diktator auf Lebenszeit ernennen (normalerweise wurde dieser Titel nur in Krisenzeiten auf 6 Monate begrenzt verliehen). Aus Angst um ihren Einfluss, aufgrund einer in der römischen Republik nie dagewesenen Machtfülle und wegen seiner großen Beliebtheit beim Volk beschlossen einige Senatoren um Brutus (dessen Vorfahre schon am Sturz des letzten Königs Roms einige Jahrhunderte vorher beteiligt war) und Cassius, ihn umzubringen. An den sagenumwobenen Iden des März wurde vor einer Senatssitzung im Pompeiustheater in Rom erdolcht.
Shakespeare nimmt uns mit in die Gedankenwelt der beteiligten Personen – sowohl vor dem Mord als auch in den nachfolgenden Wirren des Bürgerkriegs zwischen Caesarmördern und Caesaranhängern wie Marc Anton und Octavian (später bekannt als erster römischer Kaiser Augustus).
Die Theatergruppe hat ein äußerst anspruchsvolles Stück aufgeführt mit langen Monologen und inhaltlich wie sprachlich schwierigen Passagen. Zusätzlich haben die gelungenen Kostüme und spärlichen Requisiten die Zuschauerinnen und Zuschauer in die Welt des spätrepublikanischen Roms entführt. Nicht nur für Kenner der lateinischen Literatur und Sprache waren diese Aufführungen interessant, spannend und in weiten Teilen erschreckend aktuell!
Vielen Dank, liebe Schauspielerinnen und Schauspieler, liebe Susanne! Wir als Publikum waren gefesselt und begeistert und freuen uns auf euer nächstes Projekt!
StR Moritz Lochner





