Wie aus Geschichte Freundschaft wurde

25 Jahre Städtefreundschaft zwischen Erlangen und Cumiana

Manfred Kirscher war bei uns an der Schule zu Besuch, um einen Vortrag über die Entstehung der Städtefreundschaft zwischen Erlangen und Cumiana zu halten.Er ist Ehrenbürger von Cumiana, einer kleinen Stadt im Norden Italiens westlich von Turin.

Dort fand im Jahr 1944 während des Zweiten Weltkriegs ein schreckliches Massaker statt. Damals wurden 51 unschuldige Geiseln Cumianas als Racheakt für einen Partisanenüberfall von der Waffen-SS erschossen. Erst in den 1990er Jahren zeigten spätere Recherchen, dass der verantwortliche Kommandoführer lange Zeit unentdeckt in Erlangen gelebt hatte.

Manfred Kirscher erzählte uns, wie er sich über viele Jahre hinweg intensiv mit dieser Geschichte beschäftigt hat. Im Jahr 2001 erschien einer der ersten Artikel über das Massaker. Danach wurde ein Brief des Erlanger Bündnisses für den Frieden nach Cumiana geschickt, in dem man sein Mitgefühl ausdrückte und forderte, die Verbrechen der Vergangenheit aufzuarbeiten und den in Erlangen lebenden Täter zur Rechenschaft zu ziehen. An diesem Schreiben hatte Manfred Kirscher selbst mitgewirkt.

Daraufhin bekam das Erlanger Bündnis für den Frieden eine Einladung zum Jahrestag des Massakers nach Cumiana. Bei der Gedenkveranstaltung hielt Manfred Kirscher eine Ansprache, die von der Bevölkerung sehr positiv aufgenommen wurde, da viele Menschen erleichtert waren, dass die Geschichte nicht vergessen, sondern aufgearbeitet wird.

Heute verbindet Erlangen und Cumiana seit 25 Jahren trotz der belastenden Vergangenheit eine enge Freundschaft. Es gibt regelmäßige Besuche, gemeinsame Veranstaltungen und Feste. Dadurch bleibt die Erinnerung an die Vergangenheit erhalten und gleichzeitig entsteht eine Verbindung zwischen den Einwohnern beider Städte.

Herr Kirscher machte außerdem deutlich, dass die Zukunft der Städtefreundschaft vor allem in den Händen von uns Schülerinnen und Schüler liegt. Wenn wir Italienisch lernen – für ihn die „schönste Sprache der Welt“ – können wir Kontakte zu Jugendlichen in Cumiana knüpfen und so die besondere Verbindung zwischen beiden Städten selbst mitgestalten und weiterentwickeln.

Selina Sezer (11c)

Die Fachschaft Italienisch hat daher bereits einen ersten individuellen Schüleraustausch mit dem Liceo G. F. Porporato in Pinerolo organisiert, einem größeren Nachbarort Cumianas, in dem auch viele Jugendliche aus Cumiana zur Schule gehen. Dabei sollen unsere Schülerinnen und Schüler Italienisch nicht nur im Klassenzimmer lernen, sondern durch persönliche Begegnungen erfahren, wie bereichernd Austausch und Freundschaft über Grenzen hinweg sein können.

Christiane Mrochen