Theater

Lehrplan

Den aktuellen Lehrplan für Theater und Film an den Gymnasien in Bayern finden Sie HIER.

 

Die Bretter, die die Schulwelt bedeuten

Wohl in keinem anderen Fach in der Schule lernen Kinder und Jugendliche so viele verschiedene Dinge, können so verschiedene Fähigkeiten ausprobieren und ausbilden: Ausbildung und Einsatz von Körpersprache, Einfühlen in Rollen, Figuren entwickeln und sich dabei weiter entwickeln, sich mit klassischen Texten auseinandersetzen, Selbstvertrauen, Zusammenarbeit, Zuverlässigkeit, Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz, sich zurücknehmen können, in kleinen und großen Schritten denken und arbeiten, Zeitmanagement, Spielfreude… Die Reihe ließe sich noch fortsetzen.

All diese Dinge können unsere Schülerinnen und Schüler in unseren Theatergruppen erfahren und erlernen.

Am Emmy-Noether-Gymnasium gibt es immer mindestens zwei Theatergruppen, die allen Schülerinnen und Schülern offenstehen. Im Wahlkursangebot können die Unter-und Mittelstufenschüler erste Erfahrungen sammeln, in Profilfachangebot der Oberstufe steht besteht im   Fach „Theater- und Film“ die Möglichkeit, das in den Jahren zuvor erprobte Können nochmals zu vertiefen und auf die Bühne zu bringen.

Zusätzlich bieten wir auch unseren Ganztagsschülern die Möglichkeit, ihre kreativen Talente im Rahmen des Projektes „Theaterklasse in 6 und 7“ zu entfalten. Dafür sind feste Stunden im Stundenplan reserviert.

Das Spektrum der Aufführungen der letzten Jahre umfasst Stücker aus dem Bereich der klassischen Kinder- und Jugendbuchliteratur (z.B. „Momo“, „Krabat“ „Igraine Ohneurcht“) über Komödien („Pantalones Hochzeit“, „Ein Haus in Montevideo“) bis zu „echten Klassikern“  („Faust“, Ein Sommernachtstraum“ und – ein absoluter Höhepunkt  „Schmutzige Hände“).

StDin Antonie Walther

„Pantalones Hochzeit“ – Rückblick zu den Theatergruppen (2020)

Im Schuljahr 2018/2019 hatten sich insgesamt fast 40 Schüler für die Theaterkurse an unserer Schule angemeldet – sowohl von der gesamten Anzahl der am Schauspiel begeisterten Schüler als auch von der Altersstruktur her wären drei Gruppen und drei Aufführungen möglich gewesen. Zwei Gruppen und zwei Aufführungen gab es: Die Unterstufe unter der Regie von Frau Seiftet gab Michael Endes Momo zum Besten, die Mittel- und Oberstufe widmete sich der Commedia del arte „Pantalones Hochzeit“.

Pancrazio im Gespräch mit Fabrizio
Pancrazio im Gespräch mit Fabrizio

Die Geschichte ist schnell erzählt: Der alte, reiche, aber sehr einsame Florentiner Kaufmann Pantalone (mit Witz und Schalk wunderbar gespielt von Johannes Lange, Q12) möchte der im Alter drohenden Einsamkeit entgehen und heiraten. Seine Auserwählte ist die junge und schöne Julia (einfühlsam und auch mit nötigem Temperament von Tamara Börngen verkörpert), die allerdings von ihrem Vater Pancrazio (mit viel Talent von Joshua Kraft, 7b) behütet aufwächst und von Eularia (umwerfend: Anna Ortega-Singer, Q12), der Haushälterin und Ersatzmutter, wie der eigene Augapfel streng und liebevoll zugleich bewacht wird.

Pantalone muss sich also einer List bedienen und schickt seinen Neffen Ottavio (Simon Schümer, 9c, der den jugendlichen Liebhaber mit Hang zur dramatischen Tragik perfekt in Szene setzte) als Brautwerber nach Venedig. Mit der tatkräftigen Hilfe Brighellas (spitzbübisch, talentiert und lebendig von Nina Nicklin, 9a, gespielt) und seiner Komplizen Fabio (Theresa Jantsch, Q11 und Tabita Kiesel Q12) und Mezzetino (Julia Geißbauer, 7c) und den Zofen Julias (Felicitas Betz, 9c, Jennifer Thiel, 6a, Seyma Alaz, Q12, und Joanne Mandel, 9a) finden am Ende nach zwei Hochzeiten die richtigen Paare zusammen.

Garniert war das Stück mit den für die Commedia del arte typischen Anspielungen auf aktuelle Themen- so durfte auch der Auftritt von Bürgermeister Janik (souverän: Tilo Engelkamp, Q12) nicht fehlen, der sich seiner Wohltaten für die Stadt rühmen konnte und sich dafür auch ein schönes Denkmal auf dem Rathausplatz finanzieren lässt. Nach der letzten Aufführung, die von den Darstellern noch mit einem besonderen Ende für die Spielleiterin versehen wurde, war das Theaterjahr an unserer Schule zu Ende.

Wir mussten uns auch von den Schauspielern aus der Q12 verabschieden, die teilweise seit der Unterstufe auf der Bühne standen und an vielen Stücken mitgewirkt haben.

Theater machen ist für alle eine Herausforderung. Wohl in keinem anderen Fach in der Schule lernen Kinder und Jugendliche so viele verschiedene Dinge, können so verschiedene Fähigkeiten ausprobieren und ausbilden: Ausbildung und Einsatz von Körpersprache, Einfühlen in Rollen, Figuren entwickeln und sich dabei weiter entwickeln, sich mit klassischen Texten auseinandersetzen, Selbstvertrauen, Zusammenarbeit, Zuverlässigkeit, Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz, sich zurücknehmen können, in kleinen und großen Schritten denken und arbeiten, Zeitmanagement, Spielfreude… Die Reihe ließe sich noch fortsetzen.

Eine lebendige und gute Schule braucht das Theater, braucht die musischen Fächer, damit unsere Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit haben, ihre umfassenden Talente jenseits der „harten Kernfächer“ zu entdecken und auszuleben und die Gelegenheit zu haben, dies auch in der Schulfamilie zu zeigen. Doch nicht nur für die Schülerinnen und Schüler ist Theater eine wunderbare Erfahrung. Die Anstrengungen, Probenzeiten in den Ferien und am Wochenende, die Organisation von gefühlt hundert verschiedenen Dingen, manch nervlicher „Fast-Zusammenbrüche“ und das Gefühl, nie fertig zu sein, wiegen im Gegensatz zu dem, was man zurückbekommt an Freude, Feedback und wirklich schönen gemeinsamen Erlebnissen mit unseren Schülern und Schülerinnen kaum etwas. Dafür bin ich dankbar.

Deshalb erhoffe ich mir nach der Corona bedingten Theaterpause an der Schule, dass wir im nächsten Jahr die Theatertradition am Emmy fortsetzen können. Macht mehr Theater!

StDin Antonie Walther

„Momo” –  Unterstufe (2019)

Im September treffen sich 25 Schülerinnen und Schüler der Unterstufe, die Theater spielen möchten. Schnell stellt sich heraus, dass man mit dieser Gruppe gut arbeiten kann. Ob neu in der Theater-AG oder schon mit Erfahrungen aus dem letzten Jahr – alle bringen eine große Begeisterung und Talent mit. Die Stückauswahl ist nicht so einfach, da viele Stücke nur für 10 bis 15 Rollen gemacht sind.

So landen wir bei der abendfüllenden Adaption des Jugendbuchklassikers „Momo“ von Michael Ende. Hier gibt es die nötige Anzahl von Rollen. Über Wochen und Monate wird es uns nicht langweilig, die Herausforderungen des Stückes in Angriff zu nehmen. Mit „Momo“ entkommen Schauspieler und Zuschauer für eine Zeitlang dem hektischen Alltag der Gegenwart:

Das Mädchen Momo, vielleicht schon über 100 Jahre alt, lebt sorglos und im Einklang mit sich und seiner Umgebung in der alten Arena einer italienischen Stadt. Sie hat viele Freunde, z.B. den Geschichtenerzähler Gigi und den Straßenkehrer Beppo, oder die Kinder des Ortes, mit denen sie spielt. Die Bewohner der Stadt finden bei Momo immer ein offenes Ohr, wenn es einmal ein Problem gibt; sie leben bescheiden, aber glücklich. Doch bald treibt eine Bande von Grauen Herren ihr Unwesen, es sind die Herren von der Zeitsparkasse. Diese überreden die Bürger, schneller zu arbeiten und alles zu unterlassen, was nicht „nützlich“ ist. So verändert sich das Leben in der Stadt unaufhaltsam, die Menschen haben plötzlich keine Zeit mehr für ihre Mitmenschen, alle befällt eine große Hektik, das soziale Miteinander verschwindet. Die Kinder kommen sogar in ein Kinder-Depot, wo sie abgerichtet werden.

Momo (rechts) und ihre Freunde

Momo erfährt im Laufe des Stückes, dass die Grauen Herren die Zeit der Menschen brauchen, um ihrerseits zu überleben und ihre Zigarren am Leuchten zu halten.

Doch Ende gut, alles gut: Die Allianz von Momo, der Schildkröte Kassiopeia und Meister Hora, dem erhabenen Herrscher über die Zeit, kann am Ende die Macht der Grauen Herren brechen und die Bürger der Stadt retten.

Wir erleben drei bewegende Aufführungsabende: Noch einmal geht hier ein herzlicher Dank an die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler und an die Technikgruppe unter der Leitung von Herrn Andreas Fromm. Danke auch an alle, die uns anderweitig unterstützten und diese Aufführungen möglich machten.

StDin Doris Seifert

„Das Haus in Montevideo“ – Oberstufe (2018)

Geld oder Moral? Hin- und hergerissen scheint in dieser wichtigen Frage Professor Traugott Nägler (Yannik Ambrusits ,Q12), der Lehrer für alte und tote Sprachen ist und in finanziell eher kleinen aber dafür in moralisch sehr geordneten Verhältnissen lebt. Als Oberhaupt einer vielköpfigen Familie lebt er zusammen mit seiner Ehefrau, der lebensklugen Marianne (Katharina Neubert, Q12) in einer beschaulichen Kleinstadt.

Traugott Nägler im Gespräch mit Herbert Kraft
Traugott Nägler im Gespräch mit Herbert Kraft

Eine plötzliche Erbschaft der vor Jahren verstoßenen Schwester des Professors an dessen älteste und heiratsfähige Tochter Atlanta (Aura Sträter, Q12) stellt Professor Nägler jedoch vor große Herausforderungen, denn diese Erbschaft ist – wie sich erst später durch die strenge Rechtsanwältin Cortez (Katharina Gürsching, Q12) herausstellt –  an einige Bedingungen geknüpft, die den tugendhaften Professor in ein großes moralisches Dilemma bringen.

Zum Glück steht ihm sein Freund Pastor Riesling (Johannes Lange, Q11) mit Rat und Tat zur Seite, der ihn nach Südamerika in ein eher seltsames Etablissement der verstorbenen Schwester begleitet. Dort angekommen wird schnell deutlich, dass der Schein manchmal trügen kann und so auch die attraktiven, tanzfreudigen Damen (Seyma Alaz, Josephine Markl, Inga Abel, Jana Deutel, Sneha Ramesh, Nadia Ben Ali, Cenk Kilic, alle Q11) im Haus der Nachlassverwalterin, der edlen Madame de la Rocco (Anna Ortega, Q11), nicht diejenigen zu sein scheinen, für die der Professor und Pastor sie zunächst halten. Doch nach einigen Verwechslungen wird das Testament endlich eröffnet.

Nach diesem darf die älteste Tochter Atlanta die Erbschaft der äußerst vermögenden Verstorbenen nur antreten, wenn „am trauten Herde des tugendhaften Bruders” erneut ein uneheliches Kind zur Welt gebracht wird. Hier trifft es sich daher für Professor Nägler gut, dass es einen Werber um die Hand der Tochter gibt. Der wenig selbstbewusste Ingenieur Herbert Kraft (Elias Stubenvoll, Q12) ist nach Montevideo nachgereist und hält seit einiger Zeit um die Hand Atlantas an – nichtsahnend, dass er dabei zum Spielball des Professors wird. Doch alle hochgesteckten Erwartungen sowohl des Professors als auch des jovialen Bürgermeisters in der Heimat (Tilo Engelkamp, Q11) erfüllen sich in der Fremde nicht. Enttäuscht und niedergeschlagen kehrt Traugott Nägler nach Hause zurück. Der Traum vom Wohlstand scheint endgültig ausgeträumt, wäre da nicht noch eine kleine Klausel im Testament, auf die ihn seine Frau und der Pastor schlussendlich aufmerksam machen und die Erbschaft doch noch angetreten werden kann.

Der Oberstufentheatergruppe von StDin Antonie Walther gelang es, das Premierenpublikum mit diesem kurzweiligen Stück wunderbar zu unterhalten. Amüsant werden die Kreise um die gesellschaftlichen Spanungsfelder und menschlichen Schwächen wie Moral, Tugend Ehrlichkeit und Geld gezogen. Der Theatergruppe ging es v.a. um die Frage: Wie leicht können Wertvorstellungen ins Wanken geraten, wenn (viel) Geld im Spiel ist? Ihre Erkenntnis hat die Theatergruppe in toto pointenreich und mit fein gespielten Figuren dem Publikum näher gebracht. Besonders seien hier die Figuren in den Hauptrollen mit Yannik Ambrusits, Johannes Lange, Katharina Neubert, Aura Sträter und Elias Stubenvoll erwähnt, die allesamt einen hohen Textumfang neben dem Setzen der richtigen Pointen zu bewältigen hatten. Das Publikum quittierte die Leistung der jungen Schauspielerinnen und Schauspieler mit einem verdient großem Applaus.

StR Christopher Söllner

„Igraine Ohnefurcht” – Unter- und Mittelstufe (2018)

Ein Mädchen als Protagonistin einer Rittersage? – Die Theatergruppe der Unterstufe (Regie: OStRin Susanne Schellong, Co-Regie: StDin Antonie Walther) hat sich an das Kinder- und Jugendbuch „Igraine Ohnefurcht“ gewagt und jenes für die Bühne adaptiert. Der Aufwand hat sich gelohnt.

Igraine trifft den traurigen Ritter
Igraine trifft den traurigen Ritter

Igraine Ohnefurcht (Emilia Kindler, 8a) lebt mit ihren Eltern auf Burg Bibernell. Igraines Eltern, Sir Lamorak (Yannik Ambrusits, Q12) und die schöne Melisande (Nina Ricklin, 8a), sind Zauberer, sogar Igraines großer Bruder Albert (Joshua Kraft, 6b) kann zaubern… Nur sie träumt von etwas ganz anderem. Sie möchte eine Ritterin werden, auf Turnieren kämpfen und Drachen retten. Als sich Igraines Eltern ausgerechnet an ihrem zehnten Geburtstag aus Versehen in Schweine verwandeln, muss sie losreiten, einem Riesen ein paar Haare abschneiden und Burg Bibernell vor Gilgalad (Simon Schümer, 8c) dem Gierigen retten. Dass sie dabei einem echten, jedoch traurigen Ritter (Finn Stüse, 7c) begegnet, kann sie natürlich nicht ahnen. Im Zweikampf der Ritter entscheidet sich schließlich das Schicksal Burg Bibernells zugunsten der Familie. Igraines ersehnter Weg – als “Knappin” des nunmehr fröhlichen Ritters – ist geebnet.

Der Theatergruppe ist insgesamt eine durchaus witzige Ritter- und Zaubergeschichte mit stimmungsvollen Bildern und passenden Kostümen gelungen. Die Figuren waren bis in die Nebenrollen (u.a. Emily Beer und Clara Fröhlich, beide 6b, als sprechende Bücher) hinein treffend besetzt. Die schnelle Szenenfolge, die kurzweilige Handlung und das spannende Ende ließen Groß und Klein gebannt Igraines Taten mitverfolgen. Ein großes Lob gilt dem jungen Schauspielnachwuchs, der fehlerfrei und textsicher den Auftritt meisterte.

StR Christopher Söllner

„Prinz und Bettelknabe“ – Unterstufe (2018)

Die Unterstufentheatergruppe (Leitung: StDin Antonie Walther) sowie der Juniorchor (Leitung: StRin Anja Trompke) haben Mark Twains Roman „Prinz und Bettelknabe“ am Ende des Schuljahrs 2017/ 18 erfolgreich auf die Bühne gebracht.

Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler führten dabei in den Anfangsszenen überzeugend mit Gesprächen unter Bettlern in die ärmlichen Verhältnisse der englischen Hauptstadt London im 16. Jahrhundert ein. Hier wächst der verarmte Bettelknabe Tom (Nina Nicklin, 8a) auf, der eines Tages zufällig in den Palast des Prinzen gelangt und dem wohlhabenden Thronfolger Prinz Edward (Finn Stüve, 7c) begegnet. Beide tauschen ihre Kleidung und erkennen vor dem Spiegel ihre Ähnlichkeit. Doch vor dem Rücktausch wird der echte Prinz Edward in Toms Lumpen von der Palastwache davongejagt und er bekommt bald das harte Los seiner Untertanen am eigenen Leib zu spüren. Der eigentliche Bettelknabe kann sich inzwischen am Hof gegen die dominante Lady Hertford (Emilia Kindler, 8a) nicht durchsetzen und wird schließlich für wahnsinnig erklärt. Selbst der eigene Vater, der müde König Heinrich (Joshua Kraft, 6b), verzweifelt an den Vorstellungen seines Sohnes. Auf der anderen Seite des Palastes versucht der echte Prinz hingegen sich in der rauen Welt der Bettler gegen seinen brutalen Vater John Canty (Simon Schümer, 8c) durchsetzen. Der Tod des Königs kann schließlich Tom auf den Thron bringen, so dass er Gelegenheit erhält (trotz aller Intrigen am Hof) den Tausch mit Edward erneut zu vollziehen.

Bettelknabe Tom zu Gast beim Prinzen
Bettelknabe Tom zu Gast beim Prinzen

Den Zuschauern wurde damit von der Theatergruppe eine Verwechslungskomödie gezeigt, die unterhaltsam und kurzweilig gespielt war, die aber gleichzeitig auch politische Themen aufgriff. Es wurde einerseits deutlich, dass Macht und Herrschaft auch am Hof Grenzen haben. Obwohl Tom in den Stand eines Prinzen gelangt ist, konnte er seine Herrschaft nicht ohne Erlaubnis des Königs, der Gouvernante und der höfischen Gesellschaft ausüben. Andererseits zeigte sich eindrucksvoll, dass Armut und prekäre Verhältnisse keineswegs bloß Themen der Vergangenheit sind.

Während des Stücks sang der Juniorchor zahlreiche Intermezzi. Passende Gesten unterstrichen den Gesang, der das Bühnengeschehen eindrucksvoll reflektierte.
Mit großem Applaus der Eltern, Lehrkräfte und Gäste ging das Stück zu Ende. Viele Schauspieler werden im nächsten Jahr weiterhin in der Theatergruppe spielen, so dass man sich auf weitere Aufritte und ihr Bühnentalent freuen kann.

StR Christopher Söllner

„Die schmutzigen Hände“ (2017) – Oberstufe

Hoederer: Die Toten sind mir egal. Ich lebe und mache eine Politik für die Lebenden.
Hugo: Und Sie glauben, die Lebenden werden Ihren Kuhhandel hinnehmen?
Hoederer: Man wird es ihnen vorsichtig beibringen.
Hugo: Indem man sie belügt?
Hoederer: Indem man sie gelegentlich belügt.

„Die schmutzigen Hände“ ist das erfolgreichste Stück von Jean-Paul Sartre. Es entstand 1948, als der Kalte Krieg mit der Berlin-Blockade und Anfang der 50er Jahre mit dem Korea-Krieg deutlich an Schärfe zunahm. Die Politik der Sowjetunion, sich durch Marionettenregierungen die Macht in den im Zuge des Zweiten Weltkrieges annektierten und besetzten Ländern zu sichern, bestärkte den Antikommunismus als Integrationsfaktor im Westen – auch das führte zum Erfolg des Stückes. Doch geht es in dem sehr fein konstruierten Enthüllungsdrama um grundsätzliche Fragen. Anhand des individuellen Konflikts zwischen Hugo (Cris Ortega, Q12 ) und Hoederer (Yannik Armbrusits, Q11) in Bezug auf eine konkrete historische Situation wird die Frage gestellt, wie der Mensch handeln soll, was die moralischen Grundlagen seines Tuns darstellen.

Hugo im Konflikt mit Hoederers Schergen
Hugo im Konflikt mit Hoederers Schergen

Das Stück spielt in einem fiktiven  Balkanstaat namens Illyrien, aber in der konkreten Situation des Zweiten Weltkrieges. Noch ist das Land von deutschen Truppen besetzt, der Zusammenbruch aber kündigt sich an und damit auch die Frage, wie es danach in Illyrien politisch weitergehen soll. Soll sich die kommunistische Minderheit mit den Liberalen und Konservativen verbinden, um an die Macht zu gelangen – oder soll man den radikalen Weg einer Revolution gehen? Hoederer steht für den pragmatischen Ansatz, während seine Gegner ihn ausschalten wollen. Dazu wird Hugo gewählt, ein junger Intellektueller aus bürgerlichem Haus, der  durch den politischen Mord seine eigene Vergangenheit abstreifen will und dabei Prinzipien über alles zu stellen versucht.

Eben jeder idealistische Hugo soll also den Parteisekretär Hoederer ermorden, um sich vom Makel seiner bürgerlichen Herkunft reinzuwaschen. Er wird Sekretär dieses skrupellosen Parteisekretärs, der nicht davor zurückscheut, sich „die Hände schmutzig zu machen“, zögert den Mord jedoch immer weiter hinaus, je mehr er Hoederer schätzen lernt, einen Mann, der davon überzeugt ist, dass politisches Handeln und die von Hugo geforderte Reinheit der Idee einander ausschließen. Erst als Hugo seine Frau Jessica (Aura Sträter, Q11) in den Armen Hoederers findet, tötet er ihn. Nun wird Hoederer von Moskau rehabilitiert, der Mord wird von der Justiz als Eifersuchtstat hingestellt. Hugo jedoch besteht darauf, nicht im Affekt gehandelt, sondern den Mord im Auftrag der Partei begangen zu haben. Hugo muss feststellen, dass sich nicht nur die Zeiten, sondern auch die politischen Ziele geändert haben und seine mörderische Tat politisch sinnlos geworden ist. Damit ist Hugo für die Partei nicht mehr »verwendungsfähig«, er muss liquidiert werden.

In den weiteren Rollen, welche die Handlung konsequent zu eben jenem Höhepunkt führten, brillierten:

  • Nadia Ben Ali, Q11, als Olga, die gleichermaßen Kontaktperson und Parteifreundin Hugos ist.
  • Katharina Neubert, Q11, in einer Doppelrolle als Parteirevolutionär Louis und Bodyguard Slick.
  • Benedikt Marouschek, Q11, als Terrorist Iwan und Bodyguard Georges
  • Katharina Gürsching, Q11, als Prinzessin Ivanka sowie
  • Philipp Schenk, Q12, als diplomatische Kontaktperson Karsky.

Am Ende der Aufführungen bleibt der Eindruck eines dialogreichen Schauspiels in Erinnerung, das dramaturgisch sehr intelligent und in scharfsinniger Sprache die Bereiche Politik, Philosophie und Liebe ineinander wob. Der Applaus würdigte die durchgehend hervorragenden Leistungen aller jungen Schauspieler gebührend.

StDin Antonie Walther, StR Christopher Söllner

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